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Rekonstruktion des Sattels aus dem Gelleper Fürstengrab
Linner Vereine spendeten für das Museum Burg Linn
Das Museum Burg Linn hat jetzt in seinem Fürstengrab-Schauraum die Rekonstruktion eines Sattels aus der fränkischen Frühzeit aufgestellt. In dem berühmten Grab aus der früh-fränkischen Zeit, in dem sich auch der Goldhelm befand, waren neben zahlreichen anderen Fund- und Schmuckstücken auch Reste eines kostbaren Sattels gefunden worden. Wie dieser Sattel aussah, das erschloss sich zwar dem geschulten Blick der Archäologen, überstieg aber die Fantasie des normalen Museumsbesuchers. Dank einer Spende der Linner historischen Gruppen konnte jetzt ein Sattel, der den archäologischen Funden und Vorgaben entspricht, angefertigt und ausgestellt werden.
Alle drei Jahre veranstalten die historischen Gruppen, die sich aus einer Vielzahl Linner Vereine rekrutieren, an einem Sommerwochenende das Spektakel „Lebendige Burg“. Die bei den Besuchern beliebte Veranstaltung spült auch immer eine ansehnliche Summe in die Kassen. Und den Überschuss aus dieser Veranstaltung spenden die Gruppen traditionell an das Museum. Aus der letzten Veranstaltung kamen auf diese Weise rund 16 000 Euro zusammen. Den größten Teil des Geldes verwandte Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann für einen Blendschutz, der die Fensterfront der Halle mit dem Rheinkahn aus der Karolinger-Zeit bei Sonne verdunkelt. Aber rund 3 000 Euro blieben übrig, um diesen Sattel zu rekonstruieren.
„Die Funde in dem Grab waren relativ spärlich, aber wir konnten trotzdem Schlüsse auf Funktion und Aussehen dieses Sattels ziehen“, schildert Dr. Reichmann. Hilfreich dabei war auch der Fund eines anderen Sattels aus der fränkischen Frühzeit, den Reichmann selbst bei Wesel ausgegraben hat. Der war wesentlich besser erhalten als das Gelleper Fundstück. Im Gegensatz zu den römischen Sätteln waren die fränkischen Sättel weiter entwickelt. Die Römer waren für ihre Fußsoldaten, die Legionäre, bekannt, nicht unbedingt für ihre Reiterei, obwohl die römische Gesellschaft sogar einen „Ritterstand“ hatte. Militärisch setzte sich die „equites“, die Reiterei, doch zumeist aus römischen Verbündeten zusammen. Und die Hauptaufgabe der Reiterei war nicht in erster Linie Einsatz in der Schlacht, sondern Aufklärung und Verfolgung. Die Gegner der Römer waren mit ihrer Kavallerie meist besser gerüstet, insbesondere die Hunnen und die Völker der Reiternomaden brachten technische Neuerungen in die Reiterkriegsführung ein. Der berittene Bogenschütze taucht auf, der dank der Steigbügel und der besonders stützenden Funktion der Sättel aus vollem Galopp schießen kann. Diese technischen Vorzüge verarbeiteten die Franken schon früh in ihren eigenen Sätteln. Und daneben wies der Reitsitz des Fürsten auch standesgemäße Verzierungen.

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