Neuigkeiten

 
 
Vor 200 Jahren feierten die Uerdinger die erste Pantaleon-Kirmes
Die Kirmestradition in der Rheinstadt beginnt bereits im Jahr 1462
Die Kirmes- bzw. die Jahrmarktstradition in Uerdingen ist fast 600 Jahre alt. Im Februar 1462 verlieh Erzbischof Dietrich von Köln den Rheinstädtern einen „neuen Jahrmarkt“, der am St. Laurentiustag (10. August) abgehalten werden sollte. In dieser Urkunde sicherte der Erzbischof allen Besuchern drei Tage vor und drei Tage nach dem Jahrmarkt sicheres Geleit zu. Dies galt jedoch nicht für die Feinde des Erzstifts und überführte und ungesühnte Missetäter.
Händler von nah und fern kamen zum 10. August jeden Jahres fortan in das Rheinstädtchen, um dort ihre Waren anzubieten. Zu ihnen gesellten sich am Laurentiustag Musikanten, Gaukler, Drehorgelspieler und reisende Schausteller. Das Recht, einen Jahrmarkt zu veranstalten, blieb Uerdingen erhalten. Doch nach über 300 Jahren wurde der Termin geändert. Im Jahr 1774 wurde der Markt vom Laurentiustag auf den ersten Mittwoch nach St. Katharina (25. November) verlegt. Daneben gab es einen weiteren Markttag am Mittwoch nach Aschermittwoch. An das Juliende kam der Markt erst in der Franzosenzeit. Am 13. April 1808 wurde dann aus den zwei Jahrmärkten wieder eine Veranstaltung. Seitdem feiern die Uerdinger Kirmes ab Sonntag vor Pantaleon (27. Juli). Pantaleon ist ein christlicher Heiliger, der im Jahr 305 für seinen Glauben als Märtyrer gestorben sein soll.
In diesem Jahr startet das bunte Treiben zum Jubiläum bereits am Freitag. Früher wurde die Kirmes mit dem Zylinderschwenken des Bürgermeisters oder des Bezirksvorstehers erst nach dem sonntäglichen Gottesdienstes vom Balkon des Rathauses eröffnet. Drehorgelspieler beschallten dann den Platz und das Fest begann. In den Straßen und Gassen hingen Girlanden und zahllose blau-rote Fahnen schmückten die Häuser, deren Fenster und Wände häufig wegen der Kirmes frisch gestrichen wurden. Der Besuch auf dem Festplatz war noch ein gesellschaftliches Ereignis. Für den Kirmesbesuch putzten sich die Uerdinger heraus, denn man wollte nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden. In manchen Gesinde-Verträgen wurden sogar freie Tage für den Jahrmarkt und ein zusätzliches Kirmesgeld vereinbart. In den Familien wurde eifrig gebacken und geschmort; es gab besonders leckeren Kirmesweck mit Rosinen, Mandeln, Citronat und auch saftigen Kirmesbraten. Abends ging es dann gemeinsam zum Tanz. Nachbarschaften feierten fröhlich miteinander und Verwandtenbesuche wurden erwartet. Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Brauch des arbeitsfreien Kirmesmontags. Die Verwaltungsangehörigen hatten dienstfrei und viele Industriebetriebe gaben ihren Mitarbeitern ebenfalls frei.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten die Schausteller nicht einfach einen Stellplatz. Ab 1870 wurden die Plätze 14 Tage vor dem Start des Jahrmarktes verlost. Einzig die beiden „Pferdekarussells“ mit geschnitzten und bunt bemalten Pferdchen der Schausteller Pütz und Kronenberg bekamen immer denselben Ort zugesprochen. Statt die Fahrbetriebe durch das Drücken von starken Männern in Gang zusetzen, wurden bei den Pferdekarussells echte Pferde für den Antrieb verwendet. Eine neue Technik, von der die Kirmesbesucher etwas Angst hatten.
Mit dem Anwachsen der Uerdinger Bevölkerung wurde auch der Kirmesplatz ausgeweitet. Nördlich der Krefelder Straße kam ein zusätzlicher Platz für Buden und Karussells hinzu. Die lukrative Kirmes in der Rheinstadt bestückten die Schausteller auch mit modernen Fahrgeschäften. Der Dampfantrieb verdrängte die Pferde, und im Jahr 1920 baute ein Düsseldorfer Schausteller erstmalig eine Berg- und Talbahn in Uerdingen auf. Nachdem dieser Kirmesplatz verkauft worden war, verlagerte sich das Kirmestreiben auf das Röttgen, wo es bis heute stattfindet. Den Abschluss der Kirmestage bildete damals wie auch heute noch ein großes Feuerwerk, es wird auf den Mündelheimer Rheinwiesen abgebrannt.

 Copyright 2006-2017 Hallo Uerdingen