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Quilts und Kleider der Amish im Deutschen Textilmuseum in Krefeld
Ausstellungseröffnung und Aktionen am Sonntag
Eine Ausstellung im Deutschen Textilmuseum in Krefeld Linn zeigt vom kommenden Sonntag, 18. Mai, bis zum 24. August die Quilts und Kleider der Amish aus Amerika unter dem Motto „Von Diamanten und Lumpenpüppchen“, die in engem Zusammenhang steht mit dem im Mai in Krefeld stattfindenden Historiker Symposium 2008, auf dem zum Thema „Politik und Religion“ unter anderem an die vor 325 Jahren erfolgte Auswanderung Krefelder Bürger nach Nordamerika erinnert werden soll. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag um 12 Uhr von Oberbürgermeister Gregor Kathstede und Museumschefin Professor Dr. Brigitte Tietzel. Im Rahmen des Museumstags gibt es gleich am Eröffnungstag verschiedene Aktivitäten zur Ausstellung: Für Kinder gibt es unter Anleitung der Museumspädagogin Larissa Konze Workshops für Kinder ab acht Jahren zum Quilten. Um 15 Uhr führt Museums-Vize Dr. Isa Fleischmann-Heck in die Lebenswelt der Amish People ein. Außerdem wird die Bücherei des Museums geöffnet sein, so dass sich Interessierte in dem dort vorhandenen Bücherfundus einen Überblick verschaffen können.
Die Amish, eine in Amerika ansässige Gruppe von Wiedertäufern, die ursprünglich aus der Schweiz kamen und sich nach ihrem Ältesten Jakob Amman benannten, als sie sich Ende des 17. Jahrhunderts von anderen wiedertäuferischen Gruppierungen abspalteten, beten noch heute auf Deutsch. Sie leben nahezu vollkommen unabhängig von der amerikanischen Gesellschaft nach ihren eigenen Regeln und haben auch durchgesetzt, dass sie ihre Kinder in eigenen Schulen unterrichten, um einen Kontakt zur Außenwelt so weit wie möglich zu vermeiden. Sie sind weitgehend gegen den technischen Fortschritt eingestellt, weil sie darin eine Bedrohung für ihre Gemeinschaft befürchten. Diese Gemeinschaft beruft sich auf die Bibel, vor allem die Bergpredigt, also auf das Wort Gottes, das man sehr wörtlich nimmt. Eine nicht weiter schriftlich fixierte, gleichwohl von allen Gemeindemitgliedern gekannte und befolgte „Ordnung“ bestimmt mit strengen Regeln ihr Leben voller Entsagung, Demut, Langmut und Schlichtheit.
Für die Kleider der Amish gilt, dass sie bei aller offensichtlichen Einfachheit dennoch sehr dezidierten Bestimmungen unterworfen sind, die wohl von Gemeinde zu Gemeinde leicht variieren können, aber von allen Mitgliedern einer Gruppe aufs genaueste befolgt werden müssen. Dadurch erhalten diese Kleiderordnungen, die helfen sollen, Prunksucht und Eitelkeit zu vermeiden, auf der andere Seite eine hohe Gewichtung. Denn solche Regeln führen im Grund dazu, die Aufmerksamkeit erst recht auf Äußerlichkeiten zu lenken.
Die Schlichtheit der Schnitte, die dumpfe Einfarbigkeit der Stoffe mögen die an Schönheit gewohnten Besucher des Textilmuseums erstaunen. Mehr noch wird sie der Kontrast zwischen diesen eher dürftigen Kleiden und den wundervollen Quilts überraschen, die von denselben Frauen mit allergrößter Sorgfalt genäht wurden, die bei ihren Gewändem und denen ihrer Kinder oftmals die Nähte nicht einmal richtig versäubern. Die ausgestellten Kleider der Amish, sowie einige von Mennoniten stammen aus der Sammlung Eggers, Berlin. Die Quilts der Amish verbinden das Gebot der Einfachheit in den großartigen, klaren Entwürfen von Mustern wie „Diamonds“, „Bars“ oder „Lone Star“ mit einem unglaublichen Farbgefühl, das aus den wenigen zur Verfügung stehenden Stoffen (meistens denselben ungemustenen Textilien, aus denen sie ihre Kleidung fertigen) reizvolle und immer wieder neue und überraschende Varianten erstellen.
Insgesamt 45 Quilts aus drei verschiedenen Privatsammlungen und aus der besten Zeit für diese Objekte, nämlich der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1940, zeugen von der schöpferischen Kraft der Amish Frauen. Das beweist, dass der Rückzug aus einer Welt des Überflusses, die freiwillige Beschränkung auf das Wesentliche, keineswegs einhergehen muss mit Phantasielosigkeit und Langeweile. Neben den farbigen Mustern ist für diese Textilien das eigentliche „Quilten“, das heißt der Steppstich, der die Decke mit einem unabhängigen linearen Muster völlig überzieht, von besonderem, kennzeichnendem Reiz. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der alle gezeigten Quilts verzeichnet, der zum Preis von 15 Euro an der Museumskasse zu haben ist.

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