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Das dunkelste Kapitel der Krefelder Geschichte
Im Truchsessischen Krieg vor 425 Jahren wurde die Stadt völlig zerstört
Das Jahr 1583 sollte zu einem der traurigsten Kapitel in der Geschichte der Stadt Krefeld werden. Vor 425 Jahren war damit nicht nur das damalige Krefeld gemeint, also das, was heute die engere Innenstadt ist, und die das Kleinstädtchen schützende Burg Krakau vor den östlichen Toren der Stadt. Genauso betroffen waren die selbständigen Städtchen Linn, Uerdingen, Hüls und Bockum. Ein Jahr später, nachdem im Verlauf dieses Krieges sozusagen alle gegen jeden kämpften, geraubt, geplündert und gemordet wurde, dürfte die ganze Gegend so gut wie unbewohnbar und menschenleer geworden sein. Nur größere Steinbauten wie die Alte Kirche, die Klosterkirche, Stadtmauern und Toranlagen von Krefeld, blieben wohl in den Grundmauern stehen.
Uerdingen erging es nicht viel besser. In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1584 wurde die Rheinstadt erobert und die Besatzung, soweit sie nicht fliehen konnte, niedergemacht. Dass die Bewohner ausgeplündert und in vielen Fällen auch ermordet wurden, versteht sich von selbst. Mit kurfürstlichem Edikt vom 22. Dezember 1584 wurden die kläglichen Reste der Uerdinger Bevölkerung zur Rückkehr aufgefordert, anderenfalls würden ihre Besitztümer konfisziert. Die Krefelder, falls nicht tot, weit vertrieben, in den Sold irgendwelcher Kriegsherren gepresst oder soweit sie nicht anderenorts eine neue Existenz aufgebaut hatten, kehrten erst 1590 in die Stadt zurück. Es gab in den Kriegsjahren 1583 und 1584 eine Schlacht von Hüls, die Eroberung von Linn, sowohl Städtchen als auch Burg, in Bockum wurde die Kirche, Haus Sollbrüggen und das Kloster der Tertiarinnen geplündert und niedergebrannt.
Krefeld, das zur Grafschaft Moers gehörte, war nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio protestantisch, obwohl in der Stadt auch weiterhin Katholiken lebten.
Uerdingen und Linn zählten zu den Kurkölnern, also erzbischöflichen Besitztümern.
Der truchsessische Krieg war keine lokale Fehde. Er war ein von 1583 bis 1588 vor allem zwischen kurkölnischen und bayerischen Truppen ausgetragener Konflikt. Er wird auch als Kölner Krieg, Kölnischer Krieg oder Truchsesssche Wirren bezeichnet. Der Krieg vereitelte den Versuch, das Erzbistum Köln in ein erbliches, protestantisches Herzogtum zu verwandeln.
Anlass des Krieges war der Glaubenswechsel des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Gebhard Truchsess von Waldburg, der Kurköln in ein weltliches Fürstentum verwandeln wollte. Er proklamierte die Gleichberechtigung der Konfessionen, stellte den Domherren das Bekenntnis frei und wurde daraufhin der Verletzung des Geistlichen Vorbehalts (eine Regelung des Augsburger Religionsfriedens) bezichtigt. Nach seiner Heirat mit der evangelischen Gräfin Agnes von Mansfeld wurde Gebhard am 2. Februar 1583 als Kölner Erzbischof abgesetzt und am 1. April 1583 von Papst Gregor XIII. exkommuniziert.
Im Rheinland kam es in der Folgezeit zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Gebhards und den mit ihm verbündeten kurpfälzischen Truppen auf der einen sowie bayerischen und spanischen Truppen auf der anderen Seite, die formell vom Kölner Domkapitel zu Hilfe gerufen worden waren, nachdem dieses am 23. Mai 1583 Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln und Nachfolger Gebhards gewählt hatte.
Während dieser kriegerischen Auseinandersetzung wurden von Bad Godesberg und Bonn bis Geldern eine ganze Reihe von Städten belagert, geplündert und so wie Krefeld oder Deutz vollständig zerstört.
Auf Reichsebene markierte der Krieg das Ende des durch den Augsburger Religionsfrieden garantierten Miteinanders der Religionen. Ähnliche Konflikte waren vorher weitgehend friedlich gelöst worden. Außerdem setzte mit der Einbeziehung von spanischen, niederländisch-spanischen und niederländischen Truppen eine Internationalisierung des deutschen Konfessionsproblems ein, welche dann im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) seinen traurigen Höhepunkt fand.
Für Krefeld hatte diese Internationalisierung des Krieges jedoch viel Gutes. 1594 verschenkte Gräfin Walburga, die Witwe des Grafen Adolf von Neuenahr-Moers, einem der Söldnerführer im Truchsessischen Krieg, die nahezu wertlose Herrlichkeit Krefeld an Prinz Moritz von Oranien. Die Grafschaft Moers, und damit auch Krefeld, wurden daraufhin am 4. Juli 1598 von den Generalstaaten und Erzherzog Albrecht VII. von Österreich für neutral erklärt. Die Bedeutung dieser Neutralität für die politische und wirtschaftliche Entwicklung Krefelds kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie wurde in mehreren Folgeverträgen erneuert und bezog sich auf den Unabhängigkeitskampf der Niederlande, auf den Dreißigjährigen Krieg und auf die Folgezeit. Religionsflüchtlinge strömten in die Stadt, der demografische und wirtschaftliche Aufschwung setzte ein.

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