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Vor hundert Jahren wurde die Straßenbahnlinie nach Linn eingerichtet
Der gerade gebaute Krefelder Hafen musste auch erreicht werden können
Vor 100 Jahren, am 16. April 1908, wurde die Straßenbahnlinie von Krefeld nach Linn eröffnet. Nur wenige Wochen später, am 31. Mai 1908, führte die Bahntrasse zu ihrem eigentlichen Ziel, dem Krefelder Rheinhafen. Auf den letzten Metern ging es über die Drehbrücke hinweg, die damals noch ein Gleis trug, bis zum unmittelbar hinter der Brücke gelegenen Restaurant Rheingold, einem prächtigen Bauwerk, von dem heute keinerlei Spuren mehr zurückgeblieben sind.
Mit dem 1903 begonnenen und 1906 vollendeten ersten Hafenausbau kamen auch die Pläne zum Tragen, die Krefeld aus seiner bis dato einseitigen Ausrichtung auf die Textilindustrie und den damit verbundenen Schwankungen des Marktes lösten. Statt des Weiterbaus des Kanals in Richtung Krefeld-Zentrum entschied sich die Stadt für den Bau der Hafenbahn, die noch heute (als Teil der Krefelder Hafen- und Bahnbetriebe) einen großen Teil der Gleise auf dem ehemals 54,6 Kilometer langen Netz betreibt. Prompt siedelten sich erste Firmen dort an und stellten Arbeitnehmer ein. Daher musste der Hafen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Die Stadt fackelte dann auch nicht lange, denn sie hatte mit Beschlüssen für die Einrichtung von Straßenbahnen – und selbst um solche, die nicht mehr von Pferden gezogen wurden – mittlerweile reichlich Erfahrung gesammelt. Die Bahnstrecke nach Linn war einfach notwendig, denn bereits ein Jahr zuvor, im April 1907, musste im Vorgriff eine Buslinie eingerichtet werden, so sehr „brummte“ der Betrieb im Hafen ein Jahr nach der Eröffnung. Die Bahn nach Linn war nicht die erste Straßenbahn, die in Krefeld fuhr, sie zählt vielmehr zu denjenigen, die „ferner liefen“. Denn im Jahr 1909 gab es in Krefeld bereits elf elektrisch betriebene Straßenbahnen mit Oberleitung.
Begonnen hatte das alles noch ganz anders. Ende der 1870er Jahre gab der Krefelder Stadtrat seine Zustimmung zur Ausschreibung einer Pferde-Eisenbahn.
Pferde zogen leichte Waggons, die auf Schienen liefen, durch die engen Straßen der Stadt. Aber noch während der Ausschreibung des Auftrags, der den Bau von Bahnen in Krefeld und nach Uerdingen, Hüls und Fischeln vorsah, kam dank Beobachtung der technischen Entwicklung ein Umschwung. Und so setzten die Stadtoberen für die „Fernlinien“ in die heutigen Stadtteile auf den Einsatz von „Dampfrössern“. Das Resultat war, dass die erste rein Krefelder Bahn von der Neusser über die Hoch- zur Friedrichstraße von „einer Pferdestärke“ gezogen wurde, als sie am 10. Mai 1883 eröffnet wurde. Bereits ein paar Wochen früher, am 1. April 1883, konnte man dampfgetrieben, Russ und Rauch in nicht geringen Mengen ausstoßend, von Krefeld bis zum Thiergarten (heute Kaiserstraße) fahren und ab dem 3. Mai schon bis Uerdingen zum Marktplatz.
Die dampfbetriebenen Bahnen wurden schnell gut angenommen, die Strecken wurden ausgebaut. Eine Fahrt nach Uerdingen kostete 50 Pfennig, Fischeln war vergleichsweise billiger für nur 15 Pfennige erreichbar. Mit der wachsenden Zahl der Fahrgäste, der Waggons und der Linien wuchs aber auch der Ärger der Anlieger über die Belästigung durch die lauten, stinkenden „Dampfrösser“. Und so war es kein Wunder, dass Krefeld bereits um 1900 herum dem Druck nachgab und sich auf die brandneue Technik umstellte, die die Firma Siemens gerade entwickelt und getestet hatte: die elektrische Straßenbahn. 1894 wurde in Krefeld die Forderung nach einem Elektrizitätswerk erhoben, dessen Leistung zu einem guten Teil eine elektrische Straßenbahn abnehmen sollte. 1898 beschloss der Rat den Bau und veranschlagte dafür 1,5 Millionen Mark. 1899 wurde ein Konzessionsvertrag für den Bau einer elektrischen Bahn mit Oberleitungen unterschrieben und ab dem 1. November 1900 gab es den ersten planmäßigen Verkehr mit der „Elektrischen“ bis Thiergarten, ab 18. September 1901 auch nach Uerdingen. Alle Bahnen in Krefeld waren bis Ende 1901 auf die neue Technik umgestellt. Und so war denn auch alles was in den nächsten Jahren noch folgte, so auch die Bahnen nach St. Tönis und nach Linn, elektrisch betrieben.

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